Scheibenbremsen sind heute überall, doch an unzähligen Trekkingrädern, Stadträdern, Kinderrädern und klassischen Rennrädern arbeitet nach wie vor eine Felgenbremse. Das ist auch gut so: Sie ist leicht, günstig und lässt sich mit etwas Werkzeug zu Hause warten.
Damit sie zuverlässig bremst, muss sie aber richtig eingestellt sein. In diesem Ratgeber erklären wir, welche Bauarten es gibt, wie Sie eine Felgenbremse am Fahrrad Schritt für Schritt einstellen und wann neue Bremsbeläge fällig sind. Passende Bremsen und Ersatzteile finden Sie in unserer Kategorie Felgenbremsen und V-Bremsen.
Welche Felgenbremse hat Ihr Fahrrad?
Bevor Sie zum Werkzeug greifen, sollten Sie wissen, mit welchem Typ Sie es zu tun haben. Die Bauart bestimmt, wie die Bremse eingestellt wird und welche Ersatzteile passen.
- V-Brake: Zwei lange, senkrechte Bremsarme, die oben von einem Bremszug zusammengezogen werden. Der Zug läuft durch ein gebogenes Röhrchen, die sogenannte Nudel. V-Brakes sitzen an fast allen Trekking-, City- und Kinderrädern sowie an älteren Mountainbikes.
- Seitenzugbremse: Die typische Bremse am Rennrad. Sie wird mit nur einer Schraube durch den Rahmen oder die Gabel befestigt. Moderne Modelle arbeiten mit zwei Drehpunkten (Dual Pivot) und bremsen dadurch deutlich kräftiger als die alten Einfachmodelle.
- Cantilever: Zwei kurze Arme, die über einen Querzug angesteuert werden. Man findet sie an Cyclocross-Rädern, älteren Reiserädern und Klassikern.
- Hydraulische Felgenbremse: Sie arbeitet mit Öl statt mit einem Seilzug, zum Beispiel die Magura HS-Serie. Sie braucht wenig Pflege, wird aber anders gewartet als eine mechanische Bremse.

Wichtig beim Kauf: V-Brakes brauchen Bremshebel mit langem Zugweg. Ein Rennrad- oder Cantilever-Hebel zieht zu wenig Seil, die Bremse greift dann kaum. Wenn Sie den Bremstyp wechseln, prüfen Sie also immer auch die Bremsgriffe.
Werkzeug und Vorbereitung
Für die meisten Arbeiten an einer Felgenbremse reichen ein Satz Innensechskantschlüssel (meist 5 mm), ein kleiner Kreuzschlitzschraubendreher und ein sauberer Lappen. Etwas Spiritus oder Bremsenreiniger hilft, Felgen und Beläge zu entfetten. Spezielles Bremsenwerkzeug, etwa eine dritte Hand zum Zusammenhalten der Bremsarme, macht die Arbeit bequemer, ist aber kein Muss.
Stellen Sie das Rad am besten in einen Montageständer oder drehen Sie es auf Sattel und Lenker. Prüfen Sie zuerst, ob das Laufrad gerade im Rahmen sitzt und keinen deutlichen Seitenschlag hat. Eine Felge, die eiert, schleift an der Bremse, egal wie gut diese eingestellt ist.
Felgenbremse einstellen: Schritt für Schritt
Die folgende Anleitung gilt für V-Brakes. Bei Seitenzug- und Cantileverbremsen ist das Prinzip sehr ähnlich, nur die Zentrierschraube sitzt an einer anderen Stelle.
- Beläge ausrichten: Lösen Sie die Befestigungsmutter eines Bremsbelags. Ziehen Sie den Bremshebel, damit der Belag an der Felge anliegt, und richten Sie ihn so aus, dass er vollständig auf der Bremsflanke sitzt. Er darf weder den Reifen berühren noch unten über die Felge hinausragen. Dann die Mutter wieder festziehen.
- Vorspur einstellen: Das vordere Ende des Belags sollte die Felge etwa einen Millimeter früher berühren als das hintere. Ein Stück Pappe zwischen hinterem Belagende und Felge hilft dabei. Diese leichte Schrägstellung verhindert das typische Quietschen.
- Zugspannung einstellen: Öffnen Sie die Klemmschraube des Bremszugs, drücken Sie die Bremsarme zusammen, bis die Beläge auf jeder Seite etwa zwei Millimeter Abstand zur Felge haben, und ziehen Sie die Schraube wieder an.
- Bremse zentrieren: Schleift ein Belag, während der andere weit entfernt ist, drehen Sie an der kleinen Federspannschraube seitlich am Bremsarm. Hineindrehen erhöht die Spannung auf dieser Seite und zieht den Belag von der Felge weg. Arbeiten Sie in Vierteldrehungen.
- Feineinstellung am Hebel: Mit der Stellschraube am Bremshebel können Sie den Druckpunkt nachjustieren. Herausdrehen strafft den Zug, Hineindrehen gibt ihm mehr Spiel.
- Test: Ziehen Sie den Hebel mehrmals kräftig. Er sollte sich nicht bis an den Lenker durchziehen lassen. Drehen Sie das Laufrad: Es darf nichts schleifen. Machen Sie danach eine kurze Probefahrt bei niedrigem Tempo.

Typische Probleme und was dagegen hilft
Die Bremse quietscht: Meist fehlt die Vorspur, oder Felge und Beläge sind verschmutzt. Reinigen Sie beides mit Spiritus und rauen Sie verglaste Beläge mit feinem Schleifpapier leicht an. Hilft das nicht, stellen Sie die Vorspur neu ein.
Die Bremse greift schwach: Häufig ist der Zug verdreckt oder rostig und läuft schwer in der Hülle. Dann bringt auch die beste Einstellung wenig. Neue Bremszüge und Bremsaußenhüllen kosten wenig und machen oft einen größeren Unterschied als neue Beläge. Vergessen Sie dabei die Endkappen nicht, sonst franst der Zug aus.
Ein Belag schleift ständig: Prüfen Sie zuerst, ob das Laufrad richtig im Ausfallende sitzt. Erst danach die Federspannung nachstellen.
Bei Nässe passiert kaum etwas: Das liegt in der Natur der Felgenbremse, denn Wasser auf der Felge verlängert den Bremsweg. Bremsen Sie bei Regen früher und ziehen Sie ab und zu leicht den Hebel, damit die Beläge die Felge trockenwischen. Beläge mit spezieller Nassmischung helfen zusätzlich.
Wann müssen die Bremsbeläge gewechselt werden?
Fast alle Beläge haben Rillen oder eine Verschleißmarkierung. Sind die Rillen kaum noch zu sehen, ist es Zeit für neue. Spätestens wenn Metall durchschimmert oder Sie beim Bremsen ein kratzendes Geräusch hören, sollten Sie sofort tauschen, sonst beschädigen Sie die Felge.
Kontrollieren Sie bei der Gelegenheit auch die Felge selbst. Viele Felgen haben eine kleine Rille oder einen Punkt als Verschleißanzeige. Ist diese Markierung verschwunden oder ist die Bremsflanke deutlich nach innen gewölbt, muss die Felge ersetzt werden.

Beim Kauf neuer Beläge zählen drei Dinge: der Bremstyp (V-Brake, Rennrad oder Cantilever), die Befestigung (Gewindestift oder glatter Stift) und die Länge des Belags. Bei Rennradbremsen gibt es außerdem Belagträger, in die nur der Gummi eingeschoben wird. Das spart Geld und Müll. Einzelne Beläge, Federn, Nudeln und Schrauben finden Sie bei unseren Teilen für Fahrradbremsen.
Felgenbremse oder Umstieg auf Scheibenbremse?
Eine gut eingestellte Felgenbremse mit frischen Belägen bremst im Alltag völlig ausreichend. Wer viel im Regen fährt, schwere Lasten transportiert oder lange Abfahrten im Gebirge plant, profitiert dagegen von einer Scheibenbremse. Ein Umbau ist aber nur möglich, wenn Rahmen und Gabel die passenden Aufnahmen haben und die Nabe eine Scheibe aufnehmen kann.
Wenn Ihr Rad dafür vorbereitet ist, lohnt ein Blick auf mechanische Scheibenbremsen, die mit Ihren bisherigen Seilzughebeln funktionieren können, oder auf hydraulische Scheibenbremsen. In allen anderen Fällen ist eine neue, hochwertige Felgenbremse die günstigere und oft auch sinnvollere Lösung. Die komplette Auswahl finden Sie in unserer Kategorie Bremsen.
Kurz zusammengefasst
- Bestimmen Sie zuerst den Bremstyp: V-Brake, Seitenzug, Cantilever oder hydraulisch.
- Beläge müssen ganz auf der Bremsflanke sitzen und vorne leicht zuerst greifen.
- Etwa zwei Millimeter Abstand zur Felge auf jeder Seite sind ein guter Richtwert.
- Ein schwergängiger Zug kostet mehr Bremskraft als abgefahrene Beläge.
- Prüfen Sie bei jedem Belagwechsel auch die Verschleißanzeige der Felge.
